Das war schon immer so

Markus Buschmann

das war schon immer so
  1. Von Start-ups lernen? |
  2. Platz für kreatives Denken |
  3. Ein Spurwechsel Tipp |

Update 21.06.2021

Das war schon immer so

Hast Du manchmal auch diese Sehnsucht:

Alles auf null stellen.

Die Organisation neu starten.

Den Ballast der Vergangenheit abwerfen.

Verstaubte Strukturen aufschütteln?

Allzu oft tun wir die Dinge so, weil wir sie immer so getan haben – aber wir spüren, irgendetwas läuft hier falsch.

Zurück auf null: Von Start-ups lernen?

Jungunternehmer fangen neu an, werfen sich mit Leib und Seele in ein Geschäftsmodell und suchen den Erfolg. Offen gesagt: In meiner Zeit als Manager eines IT-Unternehmens hatte ich zu solchen Start-ups wenig Kontakt. Sie standen immer ein bisschen im Verdacht, junge Spinner zu sein, die Geld verbrennen und es am Ende doch nicht hinbekommen.

Schnelle Entscheidungen

Meine Meinung dazu hat sich stark geändert, seit ich in meiner Unternehmensberatung immer wieder Start-ups als Kunden habe. Redet man mit diesen Leuten, stellt man fest: Hier ist meistens Leidenschaft gepaart mit Kreativität, Begeisterung gepaart mit einem analytischen Blick.

Und diese jungen Leute bringen Eigenschaften mit, um die ich sie in meinem gereiften Alter fast beneide. Entscheidungen werden dort schnell gefällt, während meine Generation bereits droht, in Bedenkenträgerei zu ersticken. Wirkung und Ergebnisse zählen in den Start-ups. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es schnell geändert. Dieses Prinzip könnten Manager gerne gelegentlich übernehmen.

Start-ups mit Bauchentscheidungen

Die Mitarbeiter in solchen Jungunternehmen haben ein gemeinsames Ziel und ziehen an einem Strang. Kommuniziert wird schnell und unkompliziert. Alle brennen visionär für ihre Idee und das Geschäftsmodell. Ja, oft entscheidet der Bauch – mit manchmal unglücklichen Ergebnissen. Aber Hand aufs Herz: Auch die nüchternen, angeblich faktenbasierten Entscheidungen tragen bekanntlich nicht immer die Früchte, die man sich vorgestellt hat. Intuition kann eben auch ein wirksames Managementinstrument sein.

Überhaupt beeindruckt mich die Geschwindigkeit, mit der die jungen Leute vorangehen. Sie arbeiten nach dem KISS-Prinzip: Keep it simple, stupid. Entweder es geht einfach – oder es geht einfach nicht. Dabei sind sie konsequent kundenorientiert, weil ihnen täglich vor Augen steht, dass sie nur mit diesen Kunden Erfolg haben wollen.

„Das war schon immer so…“

Start-ups denken nicht zu klein, eher visionär und nicht selten zu groß. Dabei haben sie – im Gegensatz zu vielen etablierten Organisationen – keinerlei Scheu, sich Hilfe zu holen. Sie wissen, dass ihnen Erfahrung fehlt. Das machen sie durch externe Berater wett. Überhaupt lagern sie alles aus, was nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört.

Das Schönste aber: Der Satz: „Das war schon immer so“ fehlt komplett in ihrem Repertoire. Sie denken die Dinge neu und scheren sich nicht darum, dass es so noch kein anderer gemacht hat. Genau das hilft ihnen zu einem Alleinstellungsmerkmal. Ihr Marketing ist dabei viral, weil sie auf der Klaviatur des Empfehlungsmarketings – etwa über soziale Netzwerke – souverän spielen.

Platz für kreatives Denken

Das Denken der Start-ups ist so erfolgreich, dass große Unternehmen inzwischen Teams in Form eines Start-ups ausgliedern. Damit bündeln sie genau die Stärken, die sonst nur Jungunternehmer haben: größere Freiheiten, keinen direkten Zahlendruck, keine engen Konzernvorgaben, Platz für kreatives Denken.

Dieser Blog soll Dich nun nicht dazu führen, mit Jammerblick auf die Start-ups zu schauen. Klar ist: Auch die etablierten Unternehmen haben Stärken, von denen übrigens die jungen Leute profitieren können. Die Etablierten haben sich durch schwere Zeiten und Krisen durchgebissen, sie haben einen reichen Erfahrungsschatz, sie kennen Kunden und Märkte in der Regel sehr viel präziser. Unternehmensgeschichte kann auch starkmachen.

Es war schon immer so

Diesen Spruch haben sich manche ursprünglichen Pioniere ihrer Branche leider zum Credo, zum Glaubenssatz, gemacht. Ein Warenhaus benötigt einen Katalog. Ein Mobiltelefon braucht Tasten. Elektroantrieb hat keine Zukunft.

  • Quelle vs. Amazon
  • Nokia, Black Berry vs. Apple
  • Alle Autobauer vs. Tesla

Unser Spurwechsel Tipp

Was kannst Du nun tun? Vielleicht das, was der US-Managementguru Brian Tracy „Zero-Based Thinking“ nennt. Er stellt die Frage:

„Mit dem, was ich heute weiß – was würde ich bei einem Neustart meines Unternehmens (oder meines Lebens) anders machen?“

Mach doch einmal eine radikale Inventur Deines Lebens und Deiner Organisation. Starte eine Jahresplanung mit den Themen:

  1. Welche Geschäftsfelder würdest Du ausweiten, welche beenden?
  2. Von welchen Kunden würdest Du Dich sofort verabschieden?
  3. Welche Tätigkeiten würdest Du von Deiner täglichen Terminliste streichen?
  4. In welche Bereiche würdest Du viel mehr Energie investieren?

Hier noch eine Aufgabe für Dich:

Überlege Dir einen Spruch, der für Dich das Gegenteil von „Es war schon immer so“ bedeutet.

Vielleicht wird dieser Spruch die neue Vision für Dein Unternehmen. Start-up-Denken kann Dich dazu führen, Dich völlig neu aufzustellen – privat wie im Unternehmen.

Ein gutes Beispiel: Noah

Stell Dir vor, zwei Bewerber sitzen in Deinem Büro: Der eine hat ordentliche Zeugnisse, alle notwendigen Zertifikate für die Stelle. Der andere hat nur ein Schulzeugnis, aber ein paar exzellente Arbeitsproben und erkennbar jede Menge Leidenschaft. Für welchen Bewerber wirst Du Dich entscheiden?  

Wenn wir in Sicherheitskategorien denken, nehmen wir den Kandidaten mit den Zertifikaten. Denn die Papiere dokumentieren (scheinbar) die Leistungsfähigkeit des Bewerbers. An der Biografie des anderen kommen schnell Zweifel. „Wenn er in seinem Fach so gut ist, warum hat er dann nicht die entsprechende Ausbildung absolviert?“, grübeln wir.

Eine Lehre = Zeitverschwendung?

Mein Denken in dieser Sache hat sich in den vergangenen Wochen verändert, nachdem ich Noah kennengelernt habe. Er ist eine Art Zufallsbekanntschaft über zwei Ecken via Instagram. Noah möchte Fotos von meinem Sportwagen machen. Wir kommen ins Gespräch. Er ist 21 Jahre alt, besitzt Fachhochschulreife – aber keine Berufsausbildung.

Das verblüfft mich. Der Mann könnte studieren, will aber nicht mal eine Lehre machen. Ich will von ihm wissen warum. Seine Antwort: Was er in drei Jahren Lehre lerne, könne er sich genauso gut in sechs Monaten selbst aneignen. „Eine Lehre ist reine Zeitverschwendung“, sagt er. Da bin ich erstmal baff, und zwar so richtig.

Visionäre Leidenschaft

Mit Leidenschaft erzählt Noah von seiner Vision. Er möchte irgendwann Kurzfilme drehen. Filme, die Menschen aufrütteln, die zu Herzen gehen und die Bereitschaft wecken, diese Welt besser zu machen. Er denkt an Videos über Wasserknappheit oder über Menschenhandel. Filme über Mobbing. Auch historische Videos, denn er möchte nicht, dass beispielsweise die Gräuel des Zweiten Weltkriegs in Vergessenheit geraten. Eine beeindruckende Vision eines 21-Jährigen, finde ich.

Der junge Mann ist klug genug zu wissen, dass ihm Aufträge dieser Art nicht einfach zufliegen werden. Deshalb möchte er zuerst sein Business auf solide Füße stellen. Er will Geld verdienen, eine Familie ernähren. Um das zu erreichen, arbeitet er mehr als 300 Stunden im Monat. Er fährt sozusagen seinen persönlichen Drei-Schicht-Betrieb: am Morgen Fotografieren, am Nachmittag Bildbearbeitung, am Abend ein Job in der Gastronomie. Auch das ist ein Ausweis seiner Leidenschaft. Es hat erkennbar nichts mit Faulheit zu tun, dass er auf eine Lehre verzichtet.

Noah kennt sich aus mit den sozialen Medien. Das ist seine Marketingplattform, sein Vertriebskanal. Und es funktioniert! Er hat bereits Aufträge von Mercedes, Kärcher und HOLZ Automation GmbH. Wir sprechen in einem Workshop viel über das Thema, wie wir als Unternehmer den Kunden besser verstehen. Ich bin beeindruckt, wie viel mein Gesprächspartner darüber weiß, wie Kunden ticken. Zur Erinnerung: Noah ist 21.

Warum das Abitur kaum zählt

Zwei Dinge möchte ich von Noah lernen:

Erstens: Beurteile einen Menschen nicht nach seinen Zeugnissen, sondern nach seiner Leidenschaft! Ein Mensch mit einer großartigen Vision erreicht mehr als ein visionsarmer Mensch mit Einser-Abitur.

Zweitens: Qualifikationen lassen sich auch noch später aneignen. Es zählt nicht, ob wir dafür ein Zertifikat bekommen. Es zählt, ob wir damit besser in unserem Job werden. Das ist gerade für mich, der im vergangenen Jahr den Wechsel von der Führungskraft hin zum Unternehmensberater und -coach vollzogen hat, von eminenter Bedeutung.

In einem 21-jährigen Fotografen und Werbefilmer habe ich einen Lehrer gefunden. Danke dafür, Noah!

An dieser Stelle habe ich noch ein weiteres Beispiel für einen visionären Gründergeist: Corny Schelling und sein Kaffeetraum.

Corny Schelling ist ein Entrepreneur wie er im Buche steht.

 Das war schon immer so | Corny Schelling |Qualität und Espresso

Qualität steht bei ihm ganz weit vorne. Espresso ohne Qualität ist undenkbar für Corny.
Jede Woche erlebe ich es immer wieder auf das Neue. Dieser Mann liebt Qualität und Espresso. Zwei Dinge, die sich gut miteinander verbinden lassen.
Corny ist ein Entrepreneur wie er im Buche steht. Mutig und voller Elan. Durch seinen Gründergeist und seine Leidenschaft für seine Geschäftsidee zieht er immer wieder neue Kunden und Geschäftspartner an.
Es macht mir wirklich Freude mit Corny Schelling – und an seinem Business Modell zu arbeiten.

Sei mutig – sei erfolgreich!

Deine Spurwechselassistenten

Markus & Gerald

Published On: Juni 5, 2020 / Kategorien: Business Coaching /